• Newsletter

  • 2. Juni 2017

„Postwachstums-Politiken in Zeiten von Rechtspopulismus“

„Postwachstums-Politiken in Zeiten von Rechtspopulismus“

150 150

Mehr als 200 Teilnehmende bei der Konferenz „Postwachstums-Politiken in Zeiten von Rechtspopulismus“

Am 12.07.2017 fand die Abschlusskonferenz des Projekts Fokus Wachstumswende „Postwachstums-Politik in Zeiten von Rechtspopulismus“ in den Räumlichkeiten der Heinrich-Böll-Stiftung statt. Im Rahmen von Keynotes, fünf Workshops und einer Podiums- und Fishbowl-Diskussion wurden das aktuelle Projektjahr von „Fokus Wachstumswende“ abgeschloßen und die von der Zivilen Enquete erarbeiteten Politikvorschläge für eine an Wachstumskritik orientierte Politik mit der interessierten Öffentlichkeit diskutiert.

Ab dem frühen Nachmittag fanden sich Interessierte aus Politik, Zivilgesellschaft, Medien und Wissenschaft in der Beletage der Stiftung ein und konnten sich auf ein prall gefülltes Programm freuen: Keynotes, fünf parallele Workshops und eine Podiumsdiskussion am Abend sollten das Thema Postwachstum und Rechtspopulismus von vielen Seiten beleuchten.

Der Tag stand unter vier Leitfragen, die in der verschiedenen Formaten diskutiert wurden:

  • Inwiefern kann die Krise des wachstumsfixierten Wirtschaftsmodells als eine der Ursachen für den Aufstieg des Rechtspopulismus in Europa und den USA betrachtet werden?
  • Was bedeutet der zunehmende Rechtspopulismus für die Chancen einer ambitionierteren Klima- und Ressourcenpolitik?
  • Welche Alternativen kann eine Postwachstumspolitik und -wirtschaft dem Rechtspopulismus entgegensetzen?
  • Wie begegnen wir der Vereinnahmung wachstumskritischer Positionen durch Rechtspopulist_innen?

Den Einstieg gestaltete Miriam Boschmann, Projektleiterin vom Projekt Fokus Wachstumswende, mit einer Einführung in die Politikvorschläge. Zwei Keynotes von Prof. Dr. Reinhard Loske (Professor für Nachhaltigkeit & Transformationsdynamik, Universität Witten/Herdecke) und Prof. Dr. Silke van Dyk (Professorin für Politische Soziologie, Universität Jena) ergänzten den thematischen Aufschlag durch ihre inspirierenden Inputs. Die Keynotes werden in Kürze als Vidoes über unsere Webseite zur Verfügung gestellt.

 

Workshops zu fünf interessanten Themen

Kern der Konferenz waren die fünf parallelen Workshops am Nachmittag (16:00-18:00 Uhr). Im Workshop „Postwachstum & die soziale Frage – Zivilgesellschaftliche Bündnisse mit Gewerkschaften und Sozialverbänden“ geleitet von Theresa Klostermeyer (DNR) und Janna Aljets (BUNDjugend), ging es um die Frage, welche Rolle soziale Fragen in der Postwachstumsdebatte spielen und inwiefern dabei Widersprüche bestehen. Etwa 30 Interessierte nahmen an der Diskussion teil, in der es um Politikvorschläge wie das Bedingungslose Grundeinkommen, Arbeitszeitverkürzung, der Stärkung von Sorgearbeit und einer sozial-ökologische Steuerreform ging. Gerade das Thema Arbeitszeitverkürzung wurde kontrovers diskutiert. Zudem zeigte sich, dass die Postwachstumsdebatte das Thema Sorgearbeit noch nicht ausreichend behandelt.

Der zweite Workshop, der von Dr. Steffen Lange (Institut für ökologische Wirtschaftsforschung) und Kai Kuhnhenn (Konzeptwerk Neue Ökonomie) geleitet wurde, behandelte die in der Broschüre veröffentlichten Politikvorschläge. Etwa 40 Teilnehmende fanden sich in diesem Workshop zusammen, der sich mit den politischen Handlungsoptionen aus Postwachstumsperspektive beschäftigte. Desweiteren knüpfte der Workshop an das Rahmenthema der Konferenz an, indem er die Frage stellte, welche Alternativen eine Postwachstumspolitik und -wirtschaft dem Rechtspopulismus entgegen setzen kann. Dafür wurden Politikvorschläge der AfD denen der Zivilen Enquete zu den Politikbereichen Sozialsysteme, Arbeit, Klima- und Umweltpolitik, Steuern, Verkehr und Landwirtschaft gegenübergestellt.

Auch der dritte Workshop schloss an das Oberthema der Konferenz an. Unter dem Titel „Postwachstum und Rechtspopulismus“ untersuchte Dr. Dennis Eversberg (Kolleg Postwachstumsgesellschaften, Universität Jena) mit etwa 35 Teilnehmenden, inwiefern die recht heterogene Postwachstumsdebatte Anknüfpungspunkte für die unterschiedlichen rechten Strömungen bietet. Als vereinnahmungsgefährdete Postwachstumsthemen wurden die Zins- bzw. Geldsystemkritik, die Überbevölkerungskritik und die Vorstellung einer Rückkehr zum „Natürlichen“ oder „Ursprünglichen“ identifiziert. Gerade bei diesen Themen sei es deshalb wichtig, in der Postwachstumsdebatte klar und deutlich Position für globale Gerechtigkeit und Solidarität zu beziehen.

Die Workshops vier und fünf rückten die breitere, mediale Kommunikation der Postwachstumsdebatte ins Zentrum. Die freie Journalistin Anja Humburg bot in Zusammenarbeit mit Nina Treu und Eva Mahnke (Konzeptwerk Neue Ökonomie) einen „Crashkurs Degrowth für Journalist_innen“ an. Dabei wurde deutlich, dass die dürftige Repräsentation der Postwachstumsdebatte in den Medien auch damit zusammenhängt, dass noch viele Journalist_innen Postwachstum im Kern eher mit Verzicht und Puritanismus als mit einem guten Leben für alle in Verbindung bringen. Im Workshop der taz.meinland-Redaktuer_innen Jan Feddersen und Nina Apin unter dem Titel „Die nervöse Republik“ ging es zentral um die Frage, wie Medien damit umgehen sollen, dass sie heute vermehrt mit rechtspopulistischen Meinungen konfrontiert sind. Es wurde deutlich, dass Journalist_innen in diesem Kontext oft vor einem doppelten Problem stehen: Eigentlich wäre es Zeit, um zukunftsweisende Projekte (bspw. im Bereich Postwachstum) zu diskutieren, doch erst muss die Basis – Grund- und Menschenrechte sowie demokratische Institutionen – dafür verteidigt werden.

 

Spannende Podiumsdiskussion

Als Höhepunkt der Veranstaltung folgte auf die Workshops die Podiumsdiskussion im Fishbowl-Format mit Prof. Dr. Silke van Dyk, Dr. Friederike Habermann (freie Wissenschaftlerin und Buchautorin, Volkswirtin und Historikerin) und Barbara Unmüßig (Mitglied im Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung), moderiert von Prof. Dr. Hermann Ott (Wuppertal Institut, Präsidium Deutscher Naturschutzring). Unter der Leitfrage „Welche Vorschläge für eine Wachstumswende in Politik und Zivilgesellschaft gibt es und wie können dadurch demokratische, sozial-gerechte und ökologische Alternativen gefördert werden?“ wurde sich über die oben genannten Fragen ausgetauscht und mit dem Publikum anregend diskutiert.

Wir bedanken uns bei allen Teilnehmenden und Beitragen der Konferenz. Insbesondere Danken wir Lisa Weinhold für die schönen Fotos, Jannis Eicker für die famose organisatorische Unterstützung sowie unseren zahlreichen Helfer_innen, die uns den Tag über durch das Moderieren von Kleingruppen, Aushilfe an der Anmeldung und das Protokollieren von Workshops unterstützt haben.
Vielen Dank an die Heinrich-Böll-Stiftung für die Kooperation und Ausrichtung der Konferenz sowie an den Deutschen Naturschutzring, das Wuppertal Institut und taz.meinland für die Unterstützung und mediale Verbreitung der Konferenz. Vielen Dank auch an das Team von ecapio, das die Keynotes und die Podiumsdiskussion filmisch festgehalten haben.

Eine ausführliche Dokumentation mit Berichten aus den Workshops und Videomitschnitten der Veranstaltung folgt in Kürze.

 

Eindrücke des Tages

Programm und Ankündigung der Konferenz „Postwachstums-Politiken in Zeiten von Rechtspopulismus“

12. Juli 2017, 14:30 – 22:00 Uhr,
Ort: Heinrich-Böll-Stiftung, Schumannstraße 8, 10117 Berlin

Der zunehmende Rechtspopulismus bedroht hierzulande und in unseren Nachbarländern die demokratischen Errungenschaften und das europäische Projekt. Auf der anderen Seite des Atlantiks setzt Donald Trump ähnlich populistisch seine abstrusen Wahlversprechen in die Tat um. Einfache Lösungen auf die komplexen Probleme unserer Zeit finden großen Anklang.

Gerade in Zeiten wie diesen werden neue, progressive und emanzipatorische Ideen für unsere Gesellschaft gebraucht! Vielleicht ist »mehr Wirtschaftswachstum« gar nicht mehr die Antwort auf die Krisen unserer Zeit? Welche Vorschläge für eine Wachstumswende in Politik und Zivilgesellschaft gibt es und wie können dadurch demokratische, sozial-gerechte und ökologische Alternativen gefördert werden?

Im Rahmen von Keynotes, fünf Workshops und einer Podiums- und Fishbowl-Diskussion werden wir das aktuelle Projektjahr von „Fokus Wachstumswende“ abschließen und die von der Zivilen Enquete erarbeiteten Politikvorschläge für eine an Wachstumskritik orientierte Politik mit der interessierten Öffentlichkeit diskutieren.

Programmablauf

14:00 – 14:30: Kaffee und Anmeldung
14:30 – 15:30: Auftaktpanel: Begrüßung, Projektvorstellung und Keynotes
15:30 – 16:00: Kaffeepause
16:00 – 18:00: Workshops
18:00 – 19:00: Suppe und Fingerfood
19:00 – 21:00: Podiums- und Fishbowl-Diskussion (auch separater Besuch möglich)
21:00 – 21:30: Getränke und Gespräche

Auftaktpanel

Begrüßung & Projektvorstellung: Miriam Boschmann (Projektleitung Fokus Wachstumswende) und Jana Holz (Team Fokus Wachstumswende)

Keynotes:

  • Prof. Dr. Reinhard Loske (Professor für Nachhaltigkeit & Transformationsdynamik, Uni Witten)
  • Prof. Dr. Silke van Dyk (Professorin für Politische Soziologie, Uni Jena)
Workshops
  1. Postwachstum & die soziale Frage – Zivilgesellschaftliche Bündnisse mit Gewerkschaften und Sozialverbänden“ (mit Theresa Klostermeyer, DNR und Janna Aljets, BUNDjugend)
  2. Politikvorschläge für eine Wirtschaft ohne Wachstum – politische Handlungsoptionen aus Postwachstumsperspektive“ (mit Dr. Steffen Lange, Institut für ökologische Wirtschaftsforschung und Kai Kuhnhenn, Konzeptwerk Neue Ökonomie)
  3. Postwachstum und Rechtspopulismus“ (mit Dr. Dennis Eversberg, Postwachstums-Kolleg Uni Jena)
  4. Crashkurs Degrowth für Journalist_innen“ (mit Anja Humburg, Journalistin)
  5. Die nervöse Republik“ (Runder Tisch mit taz.meinland Redaktuer_innen Jan Feddersen und Nina Apin)
Fishbowl-Diskussion

Moderation: Prof. Dr. Hermann E. Ott (Wuppertal Institut, Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde)
Expert_innen:

  • Prof. Dr. Ulrich Brand (Professor für internationale Politik Uni Wien)
  • Prof. Dr. Silke van Dyk (Professur für Politische Soziologie Uni Jena)
  • Dr. Friederike Habermann (freie Wissenschaftlerin und Buchautorin, Volkswirtin und Historikerin)
  • Barbara Unmüßig (Mitglied im Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung)
Anmeldung

Wir bitten um eine Anmeldung bis zum 26. Juni auf: on.boell.de/postwachstum

Mehr Informationen zu Hintergrund, Ablauf und Programm

Flyer Konferenz_12.07.2017

Die Konferenz wird in Kooperation mit der Heinrich-Böll-Stiftung (Gastgeber), dem Deutschen Naturschutzring und taz.meinland ausgerichtet.

 

Hier können Sie sich für unseren Newsletter anmelden