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Projekt-News

Fokus Wachstumswende im Stand-by

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Liebe Interessierte des Projekts „Fokus Wachstumswende“,

wir sind auf Stand-by – Modus geschaltet. Nach Klärung der Finanzierung wird es weitergehen.

Hermann Ott

Vidoes zur Konferenz „Postwachstums-Politiken in Zeiten von Rechtspopulismus“ online

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Ecapio filmt Keynotes und Podiumsdiskussion

Den Einstieg in die Abschlusskonferenz „Postwachstumspolitiken in Zeiten von Rechtspopulismus“ gestaltete Miriam Boschmann, Projektleiterin vom Projekt Fokus Wachstumswende und Organisatorin der Konferenz, mit einer Einführung in die Broschüre Postwachstumspolitik: Wohlstand und Lebensqualität für alle Impulse zu Politikmaßnahmen und Kommunikationsstrategien für Gestalter*innen aus Politik, Medien und Zivilgesellschaft. Zwei Keynotes von Prof. Dr. Reinhard Loske (Professor für Nachhaltigkeit & Transformationsdynamik, Universität Witten/Herdecke) und Prof. Dr. Silke van Dyk (Professorin für Politische Soziologie, Universität Jena) ergänzten den thematischen Aufschlag durch ihre inspirierenden Inputs. Der krönende Abschluss der Konferenz war eine zweistündige Fishbowl-Diskussion mit den Podiumsgästen Dr. Friederike Habermann, Barbara Unmüßig und Prof. Dr. silke van Dyk, moderiert von Prof. Dr. Hermann Ott.

Abschlusskonferenz war ein voller Erfolg

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Mehr als 200 Teilnehmende bei der Konferenz „Postwachstums-Politiken in Zeiten von Rechtspopulismus“

Am 12.07.2017 fand die Abschlusskonferenz des Projekts Fokus Wachstumswende „Postwachstums-Politik in Zeiten von Rechtspopulismus“ in den Räumlichkeiten der Heinrich-Böll-Stiftung statt.

Den Einstieg gestaltete Miriam Boschmann, Projektleiterin vom Projekt Fokus Wachstumswende, mit einer Einführung in die Brschüre Postwachstumspolitik: Wohlstand und Lebensqualität für alle Impulse zu Politikmaßnahmen und Kommunikationsstrategien für Gestalter*innen aus Politik, Medien und Zivilgesellschaft. Zwei Keynotes von Prof. Dr. Reinhard Loske (Professor für Nachhaltigkeit & Transformationsdynamik, Uni Witten) und Prof. Dr. Silke van Dyk (Professorin für Politische Soziologie, Uni Jena) ergänzten den thematischen Aufschlag durch ihre inspirierenden Inputs. Kern der Konferenz waren fünf parallel verlaufende Workshops zu u.a. Rechtspopulismus und Postwachstums, Postwachstum in den Medien und Postwachstum und die soziale Frage.

Höhepunkt der Veranstaltung war die Podiumsdiskussion am Abend im Fishbowl-Format mit Prof. Dr. Silke van Dyk, Dr. Friederike Habermann (freie Wissenschaftlerin und Buchautorin, Volkswirtin und Historikerin) und Barbara Unmüßig (Mitglied im Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung), moderiert von Prof. Dr. Hermann Ott (Wuppertal Institut, Präsidium Deutscher Naturschutzring).

Eine ausführliche Dokumentation mit Berichten und Videomitschnitten der Veranstaltung können Sie hier finden.

 

Postwachstumspolitik – neue Broschüre online

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Postwachstumspolitik: Wohlstand und Lebensqualität für alle

Impulse zu Politikmaßnahmen und Kommunikationsstrategien für Gestalter*innen aus Politik, Medien und Zivilgesellschaft

Nach der Vorstellung des Diskussionspapiers „Politikvorschläge für eine Wirtschaft ohne Wachstum“ beim Parlamentarischen Abend am 31.05.2017 wurde dieser Entwurf entsprechend der konstruktiven Diskussion noch einmal leicht überarbeitet. Zusammen mit Überlegungen zu „Kommunikationswegen für eine Wachstumswende“, einem Ausblick auf eine mögliche weitere Enquete-Kommission sowie einem Vorwort von Prof. Dr. Hermann Ott sind die überarbeiteten Politikvorschläge nun neu veröffentlicht.

Unter dem Titel „Postwachstumspolitik: Wohlstand und Lebensqualität für alle“ können Sie diese Texte hier als PDF herunterladen.

Wir wünschen Ihnen eine anregende Lektüre!

Bericht vom Parlamentarischen Abend, 31.05.2017

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Diskussion der Politikvorschläge für eine Wirtschaft ohne Wachstum

Am 31. Mai wurden „Politikvorschläge für eine Wirtschaft ohne Wachstum“ auf einem Parlamentarischen Abend vorgestellt und mit Abgeordneten des Bundestags und der interessierten Öffentlichkeit diskutiert. Die Politikvorschläge sind im Rahmen des Projekts „Fokus Wachstumswende und der „Zivilen Enquete Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität“ entstanden.

Der Einladung von Sabine Leidig (MdB, Die Linke) und Peter Meiwald (MdB, Bündnis 90/Die Grünen) waren rund vierzig Gäste gefolgt. Prof. Dr. Angelika Zahrnt (Ehrenvorsitzende des BUND und Beiratsmitglied von „Fokus Wachstumswende“) vertrat auf dem Podium mit dem MdBs die Zivilgesellschaft. Prof. Dr. Hermann Ott (Wuppertal Institut, Schirmherr des Projekts „Fokus Wachstumswende“) moderierte die Diskussion.

Nach einer Vorstellung der Politikvorschläge durch Miriam Boschmann (Geschäftsführung „Fokus Wachstumswende“ und Mitautorin der Politikvorschläge) kommentierten die MdBs und Prof. Dr. Angelika Zahrnt diese. Im Anschluss daran folgte eine offene Diskussion zwischen Publikum und Podium. Die Politikvorschläge wurden kritisch-konstruktiv gewürdigt und regten die Teilnehmenden zu einer Debatte über die Machbarkeit der politischen Umsetzung, mögliche Allianzen und konkrete nächste Schritte an.

„Es muss sich vieles ändern, damit einiges bleibt, wie es ist.“

Grundsätzlich waren die MdBs Sabine Leidig und Peter Meiwald sich einig, dass die aus der Zivilgesellschaft vorgebrachten Vorschläge eine gute Grundlage für eine Regierungskoalition bieten könnten wie sie sein müsste, um auf Höhe der Zeit Veränderungen anzustoßen. Gleichzeitig machten sie deutlich, dass solche Vorschläge derzeit weder eine parlamentarische noch eine zivilgesellschaftliche Mehrheit haben.

Positiv wurde hervorgehoben, dass die Politikvorschläge Abgeordneten als Hintergrundfolie in ihrem Engagement für eine nachhaltigere Politik dienen könnten. Prof. Angelika Zahrnt stieß die Überlegung an, die Politikvorschläge als Messlatte für bisherige Gesetzesvorlagen zu nutzen. MdB Sabine Leidig forderte die zivilgesellschaftlichen Akteure dazu auf, die Politikvorschläge als Wahlprüfsteine an die Parteien zu schicken. Auch könnten Kandidat_innen im Wahlkampf damit konfrontiert werden. Außerdem lobte sie die Aufteilung in unterschiedliche Politikfelder, in denen die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen deutlich würden. Sie und Peter Meiwald schienen sich darüber einig zu sein, dass gerade die Felder Landwirtschaft und Verkehr für Postwachstumspolitiken einen guten Boden bieten könnten. Mögliche Angriffspunkte seien bspw. Fleischproduktion und Dieselsubvention.

Kritisch äußerte sich Sabine Leidig hinsichtlich der in den Politikvorschlägen genannten Indikatoren. Denn letztlich sei es immer eine Frage der Kräfteverhältnisse, an welchen der vielen Indikatoren sich die Politik primär orientiere und wie diese interpretiert würden. Außerdem regte sie dazu an, die Stärkung der öffentlichen Versorgung noch in die Vorschläge aufzunehmen, da auch diese eine Möglichkeit darstelle, Wirtschaft nachhaltiger zu organisieren. Auch Prof. Angelika Zahrnt zeigte sich den Indikatoren gegenüber skeptisch. Als Alternative schlug sie vor, die Bundesregierung auf die Diskrepanz zwischen ihren eigenen Nachhaltigkeitszielen und ihrem derzeitigen Handeln hinzuweisen. Ergänzend könne hervorgehoben werden, dass das Wachstumsparadigma unter den Abgeordneten sehr viel weniger dogmatisch verankert sei als in der Regierung (IASS Studie 2016). Peter Meiwald wies kritisch darauf hin, dass viele der in dem Papier genannten Politikvorschlägen systemimmanent seien, eine grundlegende Kritik des kapitalistischen Wirtschaftssystems bliebe aus. Roland Zieschank sieht gleichfalls, dass eine bloße Abwendung von Indikatoren wegen der Befürchung ihrer Manipulation keinen Fortschritt bringt, vielmehr unabhängige und wachstumskritische Berichtssysteme sowohl die Defizite des bisherigen Wirtschaften offenlegen, als auch Erfolge bei Veränderungsprozessen (erst) sichtbar machen können.

Wie den Diskurs gewinnen?

Es wurde auch darüber diskutiert, wie der gesellschaftliche Diskurs für das Thema Postwachstum gewonnen werden könnte. Phänomene wie der Brexit, die Regierungspraxis von Donald Trump sowie die anhaltende Krise der Migration wurden als Versuch interpretiert, eine Lebens- und Produktionsweise zu verteidigen, die systematisch auf Kosten Anderer gehe. Langfristig sei diese Taktik zwar zum Scheitern verdammt; denn eigentlich müsse sich vieles ändern, damit einiges so bliebe, wie es ist – wie Prof. Dr. Hermann Ott anmerkte. Ein Großteil der Bevölkerung wolle derzeit aber keine Abkehr vom bisherigen Pfad.

Peter Meiwald zufolge läge dies nicht an einem Wissensdefizit. Vielmehr gelte heute: „Sie tun nicht, was sie wissen“. Insgesamt schien man sich aber einig, dass es vor allem wichtig sei, positive Begriffe zu setzen: Indem positive Visionen formuliert und kommuniziert würden. Dahingehend wurde als konkretes Politikfeld die Gesundheitspolitik aus den Reihen des Publikums genannt. In diesem Zusammenhang könne der Verweis auf positive Effekte einer Postwachstumspolitik auf die eigene Gesundheit Teil einer solchen positiven Kommunikation sein.

Zuletzt ging es in der Diskussion um mögliche nächste Schritte. Bei der Frage, ob es noch einmal eine Enquete-Kommission geben solle zeigten sich die Teilnehmenden uneins. Angelika Zahrnt warf demgegenüber ein, dass es auch einen informellen Zirkel von Parlamentarier_innen geben könne, um das Thema weiter im Bundestag zu verfolgen. Dabei wurde deutlich, dass auch in den Fraktionen der Linkspartei und von Bündnis ’90/Die Grünen noch Überzeugungsarbeit zu leisten sei. In diesem Zusammenhang sei es wichtig weitere zivilgesellschaftliche Akteure (wie bspw. die Kirchen) ins Boot zu holen und strategische Allianzen zu knüpfen. Die Unterstützung gelebter Postwachstumspraxen in den Kommunen sei zentral mitzudenken.

Schließlich wurden alle Teilnehmenden zur Abschlusskonferenz des Projekts „Fokus Wachstumswende“ am 12.07.2017 eingeladen, bei er es um „Postwachstumspolitiken in Zeiten von Rechtspopulismus“ gehen wird. Auf der Konferenz werden die Politikvorschläge mit der breiten Zivilgesellschaft diskutiert.

Bericht vom 10. Netzwerktreffen der „Zivilen Enquete Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität“ am 8. März 2017

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Mit gut 40 Personen aus Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Politik fanden wir uns am 8. März in den Räumlichkeiten der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Berlin zusammen.

Der Vormittag stand unter der Überschrift „Buchvorstellung und Diskussion von Postwachstumspolitiken“. Die Herausgeber Frank Adler und Ulrich Schachtschneider besuchten unsere Runde und stellten ihr neustes Buch vor. Einige der Autor_innen waren ebenfalls zugegen. Die Herausgeber setzen auf eine wechselseitige Befruchtung von treibender Mikropraxis und stützender Makropolitik. Dazu soll der von ihnen herausgegebene Sammelband einen Beitrag leisten. Die Autor_innen befassen sich mit der Frage, mit welchen Politikinhalten und -formen und mit welchen Akteuren man angesichts der Hegemonie von Wachstumsstrukturen diese notwendige Wechselwirkung angehen könne.

Im Anschluss an die Buchvorstellung und Diskussion wurde weiter in den AGs des Netzwerks gearbeitet:

Die AG Kommunikations-Strategien beschäftigt sich mit der Vermittlung von Wachstumskritik in breitere Kreise der Gesellschaft. Als Zwischenergebnisse aus dem Treffen am 8. März stehen wichtige Leitfragen, um Menschen zu erreichen sowie die Grundstruktur eines Narrativs, auf das aufgebaut werden soll. Dieses soll in allgemeinverständlicher Sprache einen Gegenentwurf zum Wachstumsparadigma erzählen. Es weist in Richtung der vielen kleinen Schritte und betont das Recht, nicht auf Kosten anderer leben zu müssen. Um dies exemplarisch anzugehen, soll die Erzählung auf die Zielgruppe der vom Jobcenter/ der Arbeitsagentur betreuten Menschen angepasst werden.

Die AG Politikvorschläge erarbeitet konkrete Politikvorschläge aus wachstumskritischer Perspektive. Diese sollen das Herzstück des „Maßnahmenpapiers“ ausmachen. Auf dem Treffen ist die AG und damit auch die gesamte ZE ein gutes Stück voran gekommen: Der von der AG erarbeitete Entwurf wurde in einem „World Café“ von den Teilnehmenden kommentiert, daraufhin die einzelnen Bereiche diskutiert und schließlich in der Gruppenarbeitsphase weiter ausgearbeitet. Die AG geht mit dem Auftrag, weiter an der Ausarbeitung der Vorschläge zu arbeiten, aus dem Treffen heraus.

Die dritte AG arbeitet an Lobby-Strategien für eine Wachstumswende. Das Feld der Postwachstumspolitik greift in verschiedene Ressorts und Zuständigkeiten. Eine große Gruppe von verschiedenen Akteuren ist potenziell adressierbar – je nach konkretem Politikvorschlag und damit einhergehendem Ziel. Im nächsten Schritt sollen mit einem in der AG erarbeiteten Analyse-Schemata die Politikvorschläge der AG 2 angegangen werden, um so zu einem systematischen Ansatz an die Kommunikation der und Weiterarbeit an den Politikvorschlägen zu kommen.

Die vierte AG befasst sich mit möglichen Themenvorschlägen für eine neue Enquete-Kommission im Bundestag in der kommenden Legislaturperiode. Sie diskutiert verschiedene thematische Schwerpunkte, wie u.a. Geld und Finanzen, Zukunft der Arbeit, Ressourcenschutz und -nutzung, Soziale Sicherungssysteme. Ergebnis dieser Sitzung war, dass im Thema „Zukunft der Arbeit“ die größte Brisanz und Komplexität gesehen wird (viele Akteure, viele gesellschaftliche Prozesse, viele aktuelle politische Veränderungsprozesse etc.).

Für eine Übersicht über aktuelle Termien aus dem wachstumskritischen Spektrum siehe:
http://www.postwachstum.de/termine und https://wachstumswende.de/group/forum/event/calendar/.

Buch: Postwachstumspolitiken. Wege zur wachstumsunabhängigen Gesellschaft. 328 Seiten, oekom verlag München, 2017, ISBN-13: 978-3-86581-823-2, Erscheinungstermin: 09.02.2017

Video „Politik ohne Wachstum“ online

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Die zweistündige Auftaktveranstaltung von Fokus Wachstumswende ist aufgezeichnet worden und steht Ihnen als Video zur Verfügung. Film ab!

Es sind zu sehen: Prof. Dr. Hermann Ott (Moderator, mit dem Rücken zur Kamera sitzend, dann geht es rechts um den Tisch herum weiter mit dem Podiumsgästen), Sabinde Leidig (Die Linke), Prof. Dr. Angelika Zahrnt (BUND Ehrenvorsitzende), Dr. Matthias Schmelzer (Konzeptwerk Neue Ökonomie) und Prof. Dr. Sebastian Dullien (HTW Berlin).

Auftaktveranstaltung „Politik ohne Wachstum“

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Fishbowl-Diskussion „Politik ohne Wachstum. Wege in die sozial-ökologische Gesellschaft“

15.12.2016, 19.00 -21.00 Uhr, NABU, Raum Storch, Charitéstraße 3, 10117 Berlin

Am Donnerstag, den 15. Dezember 2016, fand die Auftaktveranstaltung des Projekts „Fokus Wachstumswende“ statt und gleichzeitig die erste öffentliche Veranstaltung, die aus dem Netzwerk „Zivile Enquete Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität“ heraus entstanden ist.

Unter dem Titel „Politik ohne Wachstum – Wege in die sozial-ökologische Transformation“ diskutierten rund 100 Menschen im Fishbowl-Format mit eingeladenen Vertreter/innen aus Zivilgesellschaft, Politik und Wissenschaft: Prof. Dr. Angelika Zahrnt, Sabine Leidig, Prof. Dr. Sebastian Dullien und Dr. Matthias Schmelzer. In der interaktiv gestalteten Diskussion reflektierten zunächst die Podiumsgäste ihr eigenes Verhältnis zur „Wachstumsfrage“ und sodann konkrete Alternativen zu bestehenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Institutionen mit Beteiligung aus dem Publikum diskutiert.

Nah am politischen Geschehen der Hauptstadt ist so mit dem Projekt „Fokus Wachstumswende“ und dem Netzwerk Zivile Enquete ein Debattenraum für eine konstruktive Diskussion zu wachstumskritischen Fragen eröffnet worden. Die streitbare Frage war im Wesentlichen nicht die nach dem „Ob“ von Wachstumsunabhängigkeit und -kritik, sondern nach dem „Wie“.

Dieser Frage widmeten sich zunächst die geladenen Podiumsgäste: Prof. Dr. Angelika Zahrnt (Ehrenvorsitzende BUND, Ökonomin), Sabine Leidig (MdB, Die Linke), Prof. Dr. Sebastian Dullien (Professor für VWL an der HTW Berlin, Journalist) und Dr. Matthias Schmelzer (Konzeptwerk Neue Ökonomie, Projekt Degrowth in Bewegungen). Prof. Dr. Hermann E. Ott (Wuppertal Institut, Gründer des Netzwerks und Vorsitzender des Projektbeirats „Fokus Wachstumswende“) moderierte das Gespräch. Er leitete mit dem Hinweis darauf ein, dass der Veranstaltungstitel „Politik ohne Wachstum“ ja durchaus zwei Bedeutungen habe: Da wäre zum einen die Frage, ob und wie es eine (demokratische) Politik ohne beständiges Wirtschaftswachstum überhaupt geben könne. Zweitens sei aber auch angesprochen, ob eine Postwachstumsgesellschaft ohne das Wirken auf der politischen Ebene denn gedacht und umgesetzt werden könne. Die Gäste auf dem Podium nahmen beide Fragen auf, später auch das Publikum.

Voller Saal im Raum „Storch“ beim NABU.

Beiträge aus dem Publikum entfachten die Diskussion zu Fragen nach realistischen Zukunftsszenarien zwischen Transformation und Zusammenbruch, nach einer positiven Botschaft, die man all dem Populismus, den Trumps dieser Welt oder dem „Brexit“ entgegensetzen könne und ob es nicht eigentlich naiv sei, auf gesellschaftlichen Wandel zu hoffen. Diese großen Fragen wurden nicht abschließend beantwortet, aber andiskutiert: Ansätze wie der Leitsatz „Nicht auf Kosten anderer leben zu müssen“ (Zahrnt) fielen, Schmelzer brachte im Zuge dessen den Einwand, dass es zentral sei, Visionen zu formulieren, die nicht rückwärtsgewandt sind, sondern emanzipatorische Elemente hervorheben. Es gehe darum konkrete, alternative Konzepte, die durch Daten abgesichert seien, zu entwickeln und zu kommunizieren (Zahrnt). Eine Auseinandersetzung auch mit den „harten Sachen“ wie Steuerpolitik, Unternehmensformen oder Altersvorsorge dürfe nicht gescheut werden. Insbesondere Dullien, unterstützt von einigen Beiträgen aus dem Publikum, machte sich immer wieder stark für eine Position und Diskussion, die Wachstum nicht in ihr Zentrum rückt, sondern sich an Fragen der Ressourcenpolitik und der Verteilungsgerechtigkeit orientiert, die Kritik (und nicht notwendigerweise Schrumpfung) des Brutto-Inlands-Produkts (BIP) als zentral ansieht. Der Fokus müsse auf den Bürger_innen und ihren Vorstellungen eines guten Lebens liegen. Arbeitsplätze und Teilhabe – das seien die zwei zentralen Begriffe. Um die besten Konzepte zur Lösung der diesbezüglich akuten Probleme streite man sich.

Angeregtes Gespräch: Beiträge aus dem Publikum befruchten die Diskussion.

Postwachstum als soziale Frage

Die Diskutant_innen waren sich im Wesentlichen einig, dass zielgerichtete politische Maßnahmen für die Gestaltung einer Postwachstumsgesellschaft (wenn man sie denn wolle, was z.B. für Sebastian Dullien nicht galt) unabdingbar seien. Inhaltlich genannt wurden zum Beispiel Vorschläge für eine ökologische Steuerreform, welche die Internalisierung der momentan externalisierten Kosten ermöglichen würde. Auch Fragen zur Zukunft der (Erwerbs-)Arbeit und Verteilungsgerechtigkeit sowie einem gerechten Steuer- und Rentensystem in einer zukünftig schrumpfenden Volkswirtschaft wurden diskutiert, hierfür machte sich vor allem Sabine Leidig stark. „Postwachstum“ sei keine reine „Öko-Frage“ und solle auch nicht als solche präsentiert und diskutiert werden, so unterstützte sie Matthias Schmelzer. Stattdessen sollten Aspekte sozialer Ungleichheit, des Gemeinwohls oder auch Variationen eines bedingungslosen Grundeinkommens als zentrale Aspekte der sozial-ökologischen Transformation mitgedacht und gefordert werden. Denn diese würden laut Schmelzer erst eine angstfreie Diskussion und tiefer gehende Veränderungen ermöglichen.

Die Rolle von Politik und Initiativen

Einig waren sich die Podiumsgäste darin, dass wachstumsunabhängige Institutionen eine gestaltende und eingreifende Politik benötigen. Die Rolle von praktischen Initiativen, die Transformation konkret werden lassen und (vor-)leben, wurde kritisch reflektiert und diskutiert: Es liege an ihnen, sich nicht nur als Einzelvorhaben zu verstehen, sondern auch Forderungen zu Veränderungen gesellschaftlicher Rahmenbedingungen zu stellen (Angelika Zahrnt). Hier müsse man inner- und außerparlamentarisch zusammenarbeiten und so Druck auf die Entscheider_innen ausüben.

Kernthemen für den gesellschaftlichen Wandel

Beiträge aus dem Publikum entfachten die Diskussion zu Fragen nach realistischen Zukunftsszenarien zwischen Transformation und Zusammenbruch, nach einer positiven Botschaft, die man dem Populismus, den „Trumps dieser Welt“ oder dem „Brexit“ entgegensetzen könne. Und ob es nicht eigentlich naiv sei, auf gesellschaftlichen Wandel zu hoffen. Schmelzer antwortete, es sei zentral, Visionen zu formulieren, die nicht rückwärtsgewandt seien, sondern emanzipatorische Elemente hervorheben. Eine Auseinandersetzung auch mit den „harten Themen“ wie Steuerpolitik, Unternehmensformen oder Altersvorsorge dürfe nicht gescheut werden.

Sebastian Dullien machte sich immer wieder stark für eine Position und Diskussion, die Wachstum nicht in ihr Zentrum rückt. Anstelle der Wachstumsfrage müsse sich die Diskussion an Fragen der Ressourcenpolitik und der Verteilungsgerechtigkeit orientieren. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) als Wohlstandsindikator sei kritikwürdig. Der Fokus müsse auf den Vorstellungen der Bürger_innen von einem guten Leben liegen. Arbeitsplätze und Teilhabe seien dabei die zwei zentralen Begriffe.

Wachstum wurde schließlich auch als Teil unserer Kultur, als Ideologie der Gesellschaft diskutiert, der es andere Leitbilder entgegenzusetzen gelte. Im Zuge dieser Debatte vielen die Stichworte „mentale Infrastrukturen“ (siehe: Harald Welzer) und „Externalisierungsgesellschaft“ (siehe: Stefan Lessenich).

Den Postwachstumsdiskurs in die Institutionen tragen

In ihrem Abschlussstatement betonte Angelika Zahrnt, dass sie einen Konsens hinsichtlich der Notwendigkeit wachstumsunabhängiger Institutionen wahrnehme. Doch die bestehenden Ideen fänden keinen Eingang in die Institutionen selbst. Der Postwachstumsbewegung fehle es an entscheidenden Stellen an Kompetenzen (z.B. zu Rentensystemen oder Arbeitsmarktpolitik). Es gelte, die Postwachstumsdebatte auf die reguläre Tagesordnung zu heben, sodass sie in den Institutionen diskutiert und angegangen werde.

 

Diese Veranstaltung war ein Kooperationsprojekt mit der Heinrich-Böll-Stiftung und dem Wuppertal Institut.

Das Projekt Fokus Wachstumswende wird gefördert durch UBA und BMUB. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung liegt bei den Autorinnen und Autoren.

Eindrücke der Veranstaltung

Podiumsdiskussion „Politik ohne Wachstum“

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Öffentliche Auftaktveranstaltung am 15. Dezember 2016

Podiumsdiskussion
„Politik ohne Wachstum“

Das Projekt «Fokus Wachstumswende» sowie die «Zivile Enquete» stellen sich auf dieser Veranstaltung der Öffentlichkeit vor und bieten Raum für eine kritisch-konstruktive Diskussion zu wachstumskritischen Fragen. Nah am politischen Geschehen der Hauptstadt soll hiermit ein Debattenraum mit einschlägigen Expert_innen aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen entstehen.

Ort: NABU, Charitéstraße 3, 10117 Berlin

Die Veranstaltung beginnt um 18:30h mit Suppe, Salaten und Wraps und um 19h mit der Podiumsdiskussion.

Auf dem Podium:

  • Sabine Leidig (MdB, Die Linke)
  • Prof. Dr. Angelika Zahrnt (Ökonomin, Ehrenvorsitzende des BUND)
  • Prof. Dr. Sebastian Dullien (Professor für VWL an der HTW Berlin, Journalist)
  • Nina Treu (Konzeptwerk Neue Ökonomie)

Moderation:

  • Prof. Dr. Hermann Ott (Wuppertal Institut)

Diese Veranstaltung wird in Zusammenarbeit mit der Heinrich-Böll-Stiftung durchgeführt.
Wir bitten um Anmeldung bei Miriam Boschmann: boschmann@fokus-wachstumswende.de

 

Flyer Podiumsdiskussion.pdf

Details

Die globalen umweltpolitischen Meilensteine des letzten Jahres, sowohl die sog. «Sustainable Development Goals» als auch das Pariser Klima-Abkommen, setzen auf Wirtschaftswachstum zur Lösung der globalen Krisen. National wie global setzt die Politik weiterhin auf das Wachstumsparadigma (sowohl auf der wirtschaftspolitischen, als auch auf der umweltpolitischen Ebene). Die vom Wirtschaftswachstum abhängigen gesellschaftlichen Strukturen und Denkmuster werden nicht hinterfragt.

National und international regt sich jedoch immer mehr Unverständnis angesichts dieser Ignoranz gegenüber wissenschaftlichen Erkenntnissen und den gesellschaftlichen sowie natürlichen Realitäten. Der gesellschaftliche Debattenstand war schon weiter, wie die von allen Fraktionen des Bundestages getragenen Ergebnisse der «Enquete-Kommission Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität» zeigen.  Wissenschaftler-_innen, Akteure aus zivilgesellschaftlichen Verbänden, aber auch Politiker_innen und Bürger_innen sind immer stärker davon überzeugt, dass unendliches Wachstum auf einem begrenzten Planeten nicht zukunftsfähig ist. Daher fordern sie zumindest wachstumsunabhängige Institutionen und Politiken für ein nachhaltiges und gerechtes Miteinander auf der Erde. Diese Erkenntnis ist Konsens im Kreis des Netzwerks «Zivile Enquete Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität», das auf der Degrowth-Konferenz 2014 von Hermann Ott als ehemaligem Mitglied der Bundestags-Enquete ins Leben gerufen wurde. Die streitbare Frage ist nicht die nach dem ‚Ob‘ von Wachstumsunabhängigkeit und -kritik, sondern nach dem ‚Wie‘:

  • Wie können wachstumsunabhängige gesellschaftliche sowie wirtschaftliche Strukturen und Institutionen geschaffen werden?
  • Welchen Beitrag kann die Politik zu einer sozial-ökologischen Transformation leisten?
  • An welche gesellschaftlichen Erzählungen kann die Vision einer Postwachstumsgesellschaft anschließen, damit die wachstumskritische Debatte Anschluss an breiter diskutierte Fragen einer gesellschaftlichen Transformation findet?

Diese Fragen sollen mit Vertreter_innen aus Zivilgesellschaft, Politik und Wissenschaft im Rahmen der Auftaktveranstaltung des Projekts «Fokus Wachstumswende» diskutiert werden. Zentrales Ziel des aus der «Zivilen Enquete» entstandenen Projekts ist, im Netzwerk gemeinsam Vorschläge für Politikmaßnahmen zu entwickeln, die den Weg in eine Postwachstumsgesellschaft ebnen und diese an Politik und Öffentlichkeit zu kommunizieren. Die «Zivile Enquete» sowie das Projekt «Fokus Wachstumswende» stellen sich auf dieser Veranstaltung der Öffentlichkeit vor und bieten Raum für eine konstruktive Diskussion zu wachstums-kritischen Fragen. Nah am politischen Geschehen der Hauptstadt soll hiermit ein Debattenraum mit einschlägigen Expert_innen aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen entstehen. Eine Beteiligung aus den Reihen des Publikums wird durch die Öffnung des Podiums (Fishbowl-Methode) ermöglicht.

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